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von *Orakel-im-Web / Orakelfreunde* - Besuchern
Observer / September 2012

Felicia und Philipp - der sehnsüchtige Blick

Es war wie jeder andere Tag: Felicia stand an der Kasse von Kaiser's und nahm die Einkäufe der Kunden entgegen. Sie war als Azubi in der Lehre. Gerade packte ein älterer Herr seine Einkäufe in eine Biotüte und ging hinaus, draußen lagen noch die letzten Schneereste vereinzelt auf dem Boden. Da hörte sie jäh die räuspernde Stimme eines Mannes. Felicia drehte sich um und sah in erdbraune Augen, dann nahm sie das Gesicht eines jungen Mannes - er war wohl kaum älter als sie - wahr. Und in diesem Augenblick geschah etwas Seltsames: Felicia hatte den Eindruck, dass sie sich beide schon eine Ewigkeit kennen würden, obwohl sie sich doch gerade das erste Mal begegneten. Sie schüttelte diesen höchst mysteriösen Gedanken aus dem Kopf und konzentrierte sich darauf, die Packung Schokolade, die in Herzform gestaltet war, in den Computer einzutippen, woraufhin ein Piep! ertönte. "Das macht 5,99." Der Mann zog einen Zehneuroschein hervor. Während Felicia das Wechselgeld herausnahm, starrte der Mann wie im Tagtraum auf Felicias Gesicht. Als diese sich zu dem Mann wandte, bemerkte sie seinen Blick und musste für einen kurzen Augenblick den Kopf senken.
"Was macht der Mann da?" Doch dann setzte sie ihr übliches Lächeln auf und gab dem Mann das Geld. "Dankeschön", bedankte er sich freundlich.
"Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!"
Und mit diesen Worten ging er. Als Felicia hörte, wie die Eingangstür zuging, atmete sie einmal tief aus. "Mein Gott, Felicia. Was war das denn? Hat dieser Japaner mich wirklich angeglotzt? ...Und wenn schon, das kann mir doch egal sein!" Schließlich war sie glücklich mit ihrem Leben. Sie hatte gute Chancen auf einen Job, den sie sich von Herzen wünschte, und wohnte in einem Einfamilienhaus an der Havel.
Wenn da nicht Moritz wäre. Moritz war ihr Verlobter gewesen, der leider auf tragische Weise vor einem Jahr bei einem Autounfall ums Leben kam. Es war das Übliche gewesen: Party, Alkohol, Freunde mit im Auto. Felicia dachte, dass eigentlich nichts passieren kann, wo doch Moritz schon viele Male betrunken von einer Party nach Hause fuhr und unversehrt bei ihr ankam. Der Unfall brachte Felicias Leben völlig durcheinander. Heute, nach einem Jahr, hatte sie sich soweit unter Kontrolle, dass sie sich damit tröstet, dass Moritz von oben auf sie herabschaut und stolz auf sie ist. Die nächsten Wochen kam der Mann mit den blauen Augen überraschenderweise immer wieder zu Kaisers. Und als ob ihn Felicia magisch anziehen würde, bezahlte er bei ihr. Eines Sonntags, es war kurz vor Ladenschluss, wollte der Mann gerade gehen, als er sich eines anderen besann und mit den Händen in den Jeanstaschen lässig auf Felicia zuging.
"Sie arbeiten hier?"
"Ja. Bin gerade in der Ausbildung."
"Mein Name ist Philipp. Freut mich!" Bei diesen Worten streckte er ihr seine rechte Hand entgegen.
"Felicia", entgegnete sie und schüttelte zögerlich seine filigrane Hand, dessen Finger lang waren und dennoch einen kraftvollen Eindruck machten. "Er könnte Klavierspieler sein", dachte Felicia.
"Ich würde Sie gerne näher kennenlernen. Haben Sie irgendwann Zeit, essen zu gehen?"
Felicia dachte wieder an Moritz und antwortete: "Warum nicht?"
"Gut, dann treffen wir uns morgen um 18 Uhr im Good Friends?"
"Wo ist das?"
"Es liegt in der Kantstraße 30. Also bis dann."
"Moment. Was machen Sie eigentlich beruflich?"
"Ich studiere Marketing und Vertrieb."
"Nicht schlecht, da man doch immer einen braucht, der für das nötige Image einer Firma sorgt. Ja, dann bis morgen Abend."
"Auf Wiedersehen, schöne Frau."
Bei diesen Worten spürte Felicia ihre Wangen aufflammen.

Philipp schaute auf seine Armbanduhr der Marke Patek Philippe: Viertel nach sechs. Dann hörte er ein klapperndes Geräusch von Schuhen auf Marmorboden. Philipp sah auf und erkannte Felicia fast nicht wieder: Denn sie hatte sich in Schale geworfen. Ihre blonden Haare hingen ihr bis zur Schulter hinab und waren an den Spitzen nach leicht nach oben gewellt. Sie trug ein knallgelbes ärmelloses Kleid mit V-Ausschnitt, dazu einen grasgrünen Rock, der bis zu den Knien herabhing. Ihre Beine waren in mit einem Blumenmuster bestückte Nylonstrümpfe eingehüllt. Passend dazu bildete ein Paar zitronengrasfarbener Schuhe den Abschluss. Ein i-Tüpfelchen war die kleine orangene Blüte auf dem Schuh. Philipp ging wie ein Gentleman mit der linken Hand hinter seinem Rücken auf sie zu. "Wow, du siehst natürlich schön aus!"
"Du aber auch", entgegnete Felicia grinsend und ihr Kopf huschte von seinem um den Hals gewickelten gestreiften Schal über seinen beigefarbenen Pullover hinunter zu seiner kaminbraunen Hose. Philipp führte die Dame zu einem Fenstertisch. Nachdem sich beide gesetzt haben, kam auch schon ein chinesischer Kellner vorbei.
"Was darf's sein?", fragte er in einem akzentfreien Deutsch. Felicia, die in ihrem Leben noch nie chinesisch gegessen hatte, überließ Philipp die Bestellung.
"Zweimal die Pekingente und zwei Bubbleteas, bitte!"
Während sie auf das Essen warteten, bemerkte Felicia die Einrichtung, die ganz im asiatischen Stil gehalten war: rote, kugelige Lampen hingen von der Decke, die mit einem gewaltigen Panoramabild verziert war. Felicia erkannte Vögel, die um einen Seerosenteich fröhlich umhergingen. Außerdem entdeckte sie einige Fische, die ihre Köpfe neugierig aus dem Wasser reckten.
"Sie müssen wissen, dass in China Fische als Symbol des Glücks gelten, da das Wort Fisch, also ausgesprochen Yú, für einen Rest steht, der der Familie bleibt. Damit ist der Wunsch verbunden, alles im Überfluss zu haben."
Bei dieser Bemerkung hielt Felicia inne: "Jetzt verraten Sie mir mal, sind Sie ein Japaner?"
"Ach ja. Die Europäer können uns Asiaten einfach nicht auseinanderhalten. Ich bin Chinese."
"Entschuldige. Ich beachte Ihr Land sehr."
Nachdem sie das Dinner beendet hatten, zahlte Philipp.
"So, ich denke, ich werde jetzt nach Hause gehen", sagte Felicia.
"Ich werde dich begleiten."
"Das ist lieb von Ihnen, aber."
"Nennen Sie mich Philipp.und ich denke, wir können uns duzen."
"Okay. Ich fahre mit der Bahn. Bis bald, Philipp!"
"Moment! Ich fahre dich gern mit meinem Auto heim."
Felicia lächelte und folgte Philipp, bis beide in einem VW Polo saßen. Während Philipp fuhr, sagte Felicia, wo es langging.
"Du, stimmt es eigentlich, dass alle Chinesen sehr hart für ihre Ziele arbeiten?"
"Ja, vollkommen. Du musst wissen, dass in China die Schüler unter einem enormen Druck stehen: Teilweise müssen sie bis tief in die Nacht noch Hausaufgaben machen. Wenn ihnen etwas aufgetragen wird, erledigen sie es sofort. Und zwar wirklich sofort." Felicia brauchte eine Weile, um diese Informationen zu verarbeiten. Dann sagte sie:"Wenn ich das, was du mir gerade erzählt hast, mit den Deutschen vergleiche, muss ich sagen: Wir können uns von euch Chinesen eine dicke Scheibe abschneiden. Ich denke da an die Schwestern in Krankenhäusern, die bei der Aufforderung eines Patienten ,Gleich' sagen und in Wahrheit erst eine halbe Stunde später beim Patienten erscheinen, der die Hilfe schnellstmöglich braucht."
Nach einer Stunde waren sie da. Beide stiegen aus und gingen eine einsame Straße entlang. Sie schritten auf ein kleines Einfamilienhaus zu. Felicia öffnete die Tür und beide traten ein.
"Philipp, das war ein schöner Abend!"
"Ja, das war es, Felicia. Bleiben Sie noch auf?"
Sie schüttelte den Kopf.
"Dann begleite ich Sie zum Schlafzimmer."
Felicia ging voran und Philipp folgte ihr, wobei er sie anstarrte wie ein Baby, das seine neue Welt erkundet. Sie wich seinem Blick widerwillig aus, als sie an ihm vorbeiging. Er folgte ihr durch den Flur und die Treppe hinauf. Während er zusah, wie sie die Stufen hinaufging, konnte er nicht anders, als sie sich in anderer Kleidung vorzustellen: Ihre kurvigen Hüften wiegten sich leicht unter einem dünnen, transparenten Seidenstoff, ihre langen Beine trugen schwarze Strümpfe statt einer grauen Wollhose, edle, hochhackige Schuhe ersetzten die abgetragenen Filzpantoffeln.
Oben auf der Treppe, auf dem winzigen Vorsprung, drehte sie sich um und flüsterte: "Gute Nacht."
Philipp war sprachlos und brachte nichts mehr als ein stummes Nicken heraus. Als Felicia die Tür hinter sich schloss, verließ Philipp ihre Wohnung.
Felicia dachte die Nacht darauf wieder an Philipp und dabei wurde ihr bewusst, dass sie ohne ihn nicht einschlafen konnte. Sie schaute auf die Uhr ihres Handys: Zehn nach Mitternacht. Es gab nichts, was sie daran hindern könnte, ihn zu sich zu bitten! Oder doch? Schließlich war sie Witwe und den Tod ihres Mannes Moritz hatte sie auch heute noch nicht verarbeiten können, immerzu dachte sie an ihn. "Doch langsam muss nun Schluss sein!", dachte sie. "Komm, gib dir einen Ruck und schau nach vorne. Was interessiert dich Schnee von vorgestern?" Seit Moritz' Tod hatte sie keinen Sex mehr gehabt. Wenn sie es mit jemandem tun sollte, dann mit einem wie Philipp, der nett, zärtlich und rücksichtsvoll zu ihr war. Felicia war neugierig, es zum ersten Mal mit einem Chinesen zu tun. Was würde anders sein? Sie stand auf und griff zum Handy.
"Li?"
"Hi, Philipp. Ich bin's."
"Oh. Hast du gestern gut geschlafen?"
"Ja, aber ich musste immer wieder an dich denken. Hast du jetzt Zeit, zu mir zu kommen? Auf eine Tasse Kaffee?"
"Klar. Bis gleich."
"Bis dann."
Es dauerte nur eine halbe Stunde, doch für Felicia kam diese halbe Stunde wie eine halbe Ewigkeit vor. Als sie das Klingeln hörte, begann ihr Herz wie wild zu pochen und sie fragte sich, ob sie nicht ein wenig in Philipp verliebt war.

"Hallo, Madame!"
"Schön dich zu sehen!"
Philipp kam ins Wohnzimmer und zog seine durchnässte Jacke aus.
"So. Trinken wir etwas?"
"Nein, mein Lieber. Ich habe etwas ganz anderes vor."
Und bei diesen Worten entledigte Felicia sich ihres Pullis. Dann griff sie langsam, fast wie in einer Art Trance, an ihren Seiden-BH und öffnete ihn mit einer lässigen Handbewegung. Währenddessen starrte Philipp unverwandt auf ihren Körper, der von Sekunde zu Sekunde mehr und mehr Haut zeigte. Er spürte langsam, wie sich auf seiner Unterhose ein kleiner Berg bildete. Philipp tat es Felicia gleich und knöpfte sein Hemd auf. Anschließend öffnete er den Reißverschluss seiner Jeans und zog die Hosenbeine herunter.
Nun erfasste Felicia mit starrem Blick auf Philipp ihren Slip und zog ihn an den Seiten entlang ihrer Schenkel herunter. Er stieß ein Pfeifen heraus, denn was sich seinen Augen bot, war Schönheit in ihrer reinsten Form. Daraufhin glitt sein Arm zu seinen Boxershorts und im krassen Gegensatz zu Felicia zog er diese mit einem Ruck runter. Nun standen sich beide gegenüber, splitterfasernackt. "Zum Glück habe ich die Heizung aufgedreht", dachte Felicia. Ihre Augen schienen überlebensgroß zu sein und ihre Lippen waren feucht. "Sie sind sehr schön. Und dein Körper ist einfach atemberaubend, er erinnert mich an die Konturen von Wasserwellen", sagte Philipp leise. Sie schloss die Augen. Sie beugte sich vor und küsste Philipp auf den Mund, der ein wenig überrascht war. Dabei nahm sie den wohltuenden Geruch eines Männerparfüms wahr und fühlte sich wie in ein Blumenmeer versetzt. Mit den Fingerspitzen streichelte er ihre Ohren, ihren Hals, ihre Schultern, ihre Brust. Felicia nahm Philipps Körper zum ersten Mal richtig wahr: Seine Schultern waren breit und muskulös, Taille und Hüften schmal, die Beine lang, kräftig und ein wenig behaart. Und sein Glied richtete sich so stark auf, dass er zu Philipps Körper fast parallel stand. Bei diesem Anblick musste Felicia lächeln, denn sie hätte es nie zu träumen gewagt, dass ihr Körper so attraktiv war. Da gab plötzlich Philipp ein "Warte!" von sich und steckte die mitgebrachte CD in die Stereoanlage ein. Daraufhin ertönte die Oper "La Traviata".
Nun führte Philipp Felicia ins Bett, das mit einem mit Blumen aufgedruckten Laken aufgespannt war. Philipp küsste sich von oben nach unten und als er an ihrer intimsten Stelle angekommen war, zuckte Felicias Becken ein wenig nach oben, gleichzeitig stieß sie einen Seufzer aus. Anschließend begann Philipp mit dem Neunerrhythmus. Felicia spürte, wie die Lust in ihr sich immer mehr hochschaukelte wie ein Ton, der rückkoppelte. Beim letzten Stoß überlagerte sich der Schrei Felicias mit dem der Sängerin aus der Oper, die zum letzten hohen Ton anhob. Philipps Augen weiteten sich, als ob er im Lotto gewonnen hätte. Mit dem Verstummen des Tons verstummte auch Theresa. Sie war danach fix und fertig, fühlte sich einfach satt und befriedigt. Den sanften Atem Philipps hörend schlief sie ein.
Felicia wachte langsam auf. Nur allmählich, träge, stieg sie aus der angenehmen Leere des tiefen Schlafs durch die tiefen Schichten des Unterbewusstseins nach oben und nahm die Welt um sich herum zunächst nur Stück für Stück war: Zuerst den harten, warmen Männerkörper neben sich; das ungewohnt kleine Bett; das leise wohlklingende Pfeifen des Sturms, welches sie in Verbindung mit Henrys Atem brachte; den schwachen Geruch nach der Haut des Mannes; ihren über seinen Körper gelegten Arm; ihr Bein, das sie über seine gelegt hatte, als wolle sie ihn festhalten; ihre gegen seine Seite gepressten Brüste; das Tageslicht, das in ihre Augenlider drang; den regelmäßigen, sanften Atem, der über ihr Gesicht wehte.
"Was für eine Nacht!", flüsterte sie in sich hinein. "Die Meinungs- und Pressefreiheit existiert zwar in China nicht, aber dafür sind die Menschen - zumindest Philipp - keineswegs emotional abgestumpft." In diesem Moment erwachte er.
"Morgen!" In Felicias süßer Stimme schwang eine Sehnsucht.
"Morgen", erwiderte Philipp und küsste sie kurz. "Ich glaub, ich muss jetzt gehen."

In der nächsten Woche stand Weihnachten vor der Tür. Da rief Philipp Felicia bei ihrer Arbeit auf ihrem Handy an. Philipp sagte, er habe zwei Karten für die Helene-Fischer-Show. "Super. Ich freue mich, kann es kaum erwarten, die Show zu sehen." Am nächsten Abend betraten sie um 20 Uhr die O2-World-Arena, die voller Menschen war. Sie hörten das Echo eines Stimmengewirrs von den Rängen im ovalen Stadion.
Pünktlich um Viertel nach acht erloschen die Scheinwerferlichter. Nun erleuchtete ein Lichtkegel, das im ganzen Stadion wie wild umherzuwandern und nach der Hauptperson zu suchen schien. Felicia blickte auf die Tribüne gegenüber und sah in ahnungslose Gesichter: Ja, wo ist denn nun Helene Fischer? mochten sie sich wohl fragen. Und plötzlich erschien an der Decke eine zierliche Gestalt, woraufhin der Lichtkegel blitzartig zu ihr hin schwank. Philipp erkannte Helene Fischer, die an einem extrem dünnen, fast unsichtbaren Bindfaden aufgehängt zu sein schien. In diesem Moment ertönte "Last Christmas" von Wham!. Philipp, der Christ war, assoziierte mit diesem Schweben in der Luft den Engel, bloß hatte Helene keine Flügel. Weiterhin verband er mit dem Engel die Weihnachtsgeschichte, in der ja auch Engel bei der Geburt Christi dabei waren. Langsam schwebte Helene nun engelgleich herunter auf den Rasen. Als sie mit beiden Beinen auf dem saftigen Grün stand, rief sie mit Pep in ihr Mikrofon: "Huuuuuuh, guten Abend Berliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin! Herzlich Willkommen zur Helene-Fischer-Show!" Ihre Stimme vermischte sich mit dem lauten energischen Klatschen der Zuschauer. Es dauerte eine ganze Weile, ehe der Applaus abebbte.
Helene ergriff das Wort: "Meine Damen und Herren, Weihnachten steht ja vor der Tür und wie jedes Jahr bemühen sich die Menschen, noch rechtzeitig ein Geschenk für diejenigen zu finden, die man liebt. Doch wie jeder weiß, wird am Ende doch alles ganz chaotisch. Begrüßen Sie nun mit mir zwei Leute, die Weihnachten gelassen angehen. Einen kräftigen Applaus für Anke Engelke und Bastian Pastewskaa!" Das Comedy-Paar überzeugte die Zuschauer mit der Darstellung von persönlichen Erfahrungen auf lockere, ironische Weise. Das Programm beherrschten natürlich Lieder, da Helene in erster Linie eine Sängerin ist.
Und eine gute dazu, wie die Zuschauer es hörten und sahen. Unter anderem sang sie ein Lied aus ihrer Heimat Russland und als sie für einige Sekunden einen russischen Tanz performte, bei dem sie mit verschränkten Armen hockend abwechselnd das rechte und linke Bein nach vorne ausstreckte, klatschte Felicia wie wild. Helene performte zusammen mit Peter Maffay (bekannt aus "Tabaluga") ein Lied, in dem es um die anscheinend nie endende Kindheit geht. Oder sie sang mit dem Weltstar Michael Bolton aus Amerika von der Liebe zur Musik, die sie beide verbindet. Zudem sorgte die deutsche Band "Die Höhner" für weitere Stimmung. Des Weiteren gaben Andrea Berg, der argentinische Tenor Semino Rossi und die Tenorgruppe "Adoro" ihr Bestes. Philipp schlang dabei die Arme um Felicias Becken und küsste sie auf die Wange; Felicia genoss den Kuss und ihr schien, als ob dieser im Zusammenhang zu dem Lied noch viel süßer, leidenschaftlicher war als sonst. Ein außergewöhnlicher Auftritt war der Helenes mit Ernie und Bernd aus der Sesamstraße. Schon die Einführung grenzte an Banalität, da Helene versuchte, mit einer Banane die beiden anzurufen. Felicia kugelte sich vor Lachen und konnte gar nicht mehr aufhören, bis Philipp sie beruhigte: "Hey, alles wird gut. Der Arzt kommt gleich!". Ernie glaubte an das Telefonieren per Banane, doch Bernd sprach mit seiner Vernunft und sagte, dass dies doch Quatsch sei. Jedenfalls kam Helene am Ende persönlich zu den beiden und tippte Bernd an. Der sah sie und gab zuerst nur wider, wen er da sah. Plötzlich machte seine Stimme einen Sprung nach oben, sein Atem war für den Bruchteil einer Sekunde gestoppt. Und dann sangen die drei und appellierten an die Zuhörer, das Leben nicht immer so ernst zu nehmen. Das war wohl ein kleiner Verweis auf die Banane. Einen Schritt weiter ging Helene mit der Aufführung zweier Musicals: Das eine war der "König der Löwen". Dazu berichtete sie, dass sie sich in der Kindheit an kalten Tagen immer nach Afrika geträumt hatte. Noch spektakulärer als dies war die Akrobatiknummer Helenes mit einem Mann, bei der beide an zwei roten (Rot als Signalfarbe) Bändern in ca. zehn Metern Höhe Kunststücke vollführten. Ähnlich die Kondition fordernd war der Auftritt von "Flying Bach": Zu rasanter, live auf dem Flügel gespielter Musik von dem Urvater der Klassik, Bach, gab es einen Mix aus Breakdance und Ballett vom Feinsten. Was diese Nummer toppte, war der Auftritt Shadowlands, die als Gruppe mit dem Schatten -hinter einer beleuchteten Leinwand waren die Schatten deutlich zu sehen- spielten und daraus eine kleine Geschichte zauberten. In der Geschichte kam u.a. ein übergroßes weibliches Gesicht im Seitenprofil vor. Ein Höhepunkt dabei waren die Schriftzüge "Helene" und "Fischer" gebildet aus bloßen Menschenkörpern, wobei Helene ihren Anteil beisteuerte, indem sie den Buchstaben "l" bzw. "i" bildete. Felicia fragte sich, wie sie die eine aus der linken oberen Ecke kommende, riesige Hand darstellen konnten, die eine im Vergleich dazu sehr kleine Person kitzelte? Doch das Beste für sie war die Zauberperformance, in der Helene mit dem Magier die Plätze vertauschte. Zunächst war der Magier an einer Stange mit fünf oder mehr Schlössern angekettet und Helene frei. Im nächsten Moment schritt sie direkt auf ihn zu, eine Rauchwolke stieg vor beiden auf, sodass die Sicht auf die beiden für ca. eine Sekunde versperrt war. Dann tauchte wie aus dem Nichts der Zauberer frei an der Seite der nun geketteten Helene auf! Die Show endete damit, dass Helene denselben Weg wie am Anfang wieder nach oben fand. Dabei streckte sie ihre Arme weit aus, sehnsüchtig nach der Luft schnappend, als wolle sie jede Sekunde kosten, in der sie noch in der Luft schwebte.

Als Philipp Felicia nach Hause begleitete, lobte sie den Abend über den Himmel:
"Einfach geil. Wie Helene bei jedem Act immer ein wenig mitmachte, ihren Beitrag zur Performance leistete. Und ,Adoro' hat mein Herz einfach zum Schmelzen gebracht!"
Da schaltete sich Philipp ein: "Hey. Und was ist mit mir? Habe ich dein Herz nicht zum Schmelzen gebracht?"
"Doch, doch! Dich kann man gar nicht vergleichen mit Adoro! Schließlich sind die ja Profis."
Philipp lächelte und war froh, dass er ihr doch sehr viel bedeutete. Darum fand er es einen gelungenen Abend, den er eine Woche vorher geplant hatte.
"Ich fand die Gruppe ,Flying Bach' echt cool. Die Dynamik hat mich umgehauen!"
"Oh ja. Das war allerdings atemberaubend!"
Bei Felicia angekommen, ging sie unter die Dusche. Philipp sah ihr zu, wie sie sich Kleidungsstück für Kleidungsstück entkleidete, bis ihre glatte, helle Haut zum Vorschein kam. Anschließend ging sie zum Bad und Philipp konnte nicht anders, als ihren makellosen nackten Körper von hinten anzuschauen. Dabei fiel ihm auf, dass sich Felicia durchaus wie ein Model bewegte: bei jedem schwungvollen Schritt bewegte sich ihre Hüfte so, dass es fast schon etwas vom Tango hatte. Philipp summte vor sich hin.
"Du könntest Model werden!"
"So? Das fasse ich als Kompliment auf." Und schon war sie hinter dem Duschvorhang verschwunden. Als sie herauskam, war sie in einem Flanellmantel eingehüllt. Philipp fasste ihn an: "Wow, ganz schön weich, geschmeidig und feingliedrig! Aber es fühlt sich längst nicht so gut wie deine Haut an."
"Schmeichler!"
"Doch, ich meine es ernst." Und da griff Philipp unter den Mantel an Felicias Haut; Felicia gluckste. Ganz langsam arbeitete sich seine Hand bis zu ihrer Brust heran. Als sie an der Brustspitze ankam, stieß Felicia einen leichten Seufzer aus. Im selben Moment spürte Philipp, wie sich ihre Brust sich ein wenig erhob und sank.
"Du, wie wär's mit einem Film?"
Felicias Augenbraue erhob sich. "Was hast du denn parat?"
"Romeo und Julia!"
"Ohhh."
Und dann machten sie es sich auf der Leder-Couch gemütlich. Mit einer Schüssel Chips sahen sie sich den Film an. Felicia musste weinen, als Romeo sich das Leben nahm, nachdem sie Julia so "tot" sah. Philipp reichte ihr ein Taschentuch, das sie mit so viel Tränen befeuchtete, dass man meinte, ein Gewitterregen hätte das Tuch befallen.

Zusatz: erfundene Geschichte

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