| Dunja / email / August
2004 Die grosse Liebe
Wo kann
man Glück kaufen? - diese Gedanken gingen mir durch den
Kopf, als ich alleine durch die menschenleeren Straßen
ging, ich ließ das Krankenhaus hinter mir, dort ließ
ich all den Schmerz, den ich kennen lernen mußte. In
dieser Zeit zerbrach meine Ehe, ich beging einen großen
Fehler, doch nun wollte ich neu anfangen, ein neues
Glück mir suchen. Ich sah ein Liebespärchen umgeben von
soviel Herzlichkeit zueinander und ich spürte solche
Sehnsucht: werde auch ich einmal einen Menschen treffen,
der mich mit soviel Herzlichkeit beschenkt? Die
Traurigkeit und das Selbstmitleid schlich sich wie Gift
in mein Herz hinein... und dabei bemerkte ich nicht, dass
das Glück im Leben nur von guten Gedanken abhängt.
Es war abends. Ein kalter Abend im Herbst. Der Himmel war
grau, als ich an meinem Schreibtisch saß und zum Fenster
hinausschaute. Ich dachte mir, dass dieser Tag
entsprechend meiner Stimmung ist. Trübe, nass, kalt und
unangenehm windig. Mir ging es nicht gut. Der Wind
spielte mit den Ästen des dunkelgrünen Baumes vor
meinem Fenster. Ich fühlte mich so allein und dachte,
wie schön muß es sein, an solchen Tagen nicht allein da
zu sein. Ich setzte ich mich an meinen Rechner, fuhr ihn
hoch, wählte mich wieder mal im Netz ein, ohne zu
wissen, was mir der heutige Tag im Chat bringen wird. Ich
klickte den Chat an, in dem ich regelmäßig meine netten
Gespräche führte, dort wo ich lachen konnte, da wo ich
all meine Sorgen für ein paar Stunden vergessen
wollte...
Ich öffnete einen Raum, oja ich weiß noch wie er hieß
"molligesiesuffm" - da war ich nun noch völlig
allein, ich machte mir wieder einmal Gedanken über mein
Leben, werd ich immer allein sein? Was mach ich falsch?
Warum kann ich keine Beziehung aufrecht erhalten... und
in diesem Moment erschien ein Telegramm vor mir auf
meinem Bildschirm.. Ich fing an zu chatten das übliche
blabla, doch ich spürte schon recht schnell - hey ich
mag diesen Kerl am anderen Ende vom PC... wird er es
sein? Wird er mir Herzlichkeit schenken können? Wird er
Gefühle in mir wecken, nach denen ich mich so sehr
sehnte?
Wir tauschten Bilder aus... Ich öffnete die Datei und da
saß er auf einer Couch. Ein Stich durchfuhr mein Herz,
was war das? Ich beachtete dieses Gefühl nicht weiter,
ich begab mich wieder zu ihm, wir redeten weiter, doch es
stellte sich rasch heraus, er suchte keine feste Bindung,
er war so ehrlich und sagte es mir... Ich überlegte
nicht lang und sagte ihm - hey ich will dich trotzdem
sehen. Ich wollte diesen Menschen kennenlernen. Es wurde
spät, ich mußte schlafen gehen, wir verabschiedeten uns
voneinander, es fiel mir schwer, mich loszureissen vom
PC, doch wir verabredeten uns für den nächsten Tag
wieder im Chat.
Der darauffolgende Tag war endlos lang für mich, tausend
Gedanken gingen mir durch den Kopf "Wird er heute
wohl da sein? Wieso sucht er keine Beziehung? Wünscht
sich das nicht jeder Mensch? Oder vieleicht wurde ihm
sehr weh getan?" Ich beschloß für all meine Fragen
eine Antwort zu finden.
Es war 20 uhr abends, ich war völlig erschöpft, dennoch
voller Vorfreude auf ihn. Ich fuhr erneut den Rechner
hoch, diesmal nicht mit dem Gedanken, 'werd ich heut was
finden?' Nein heute mit dem Gedanken, 'wird er da sein?
Der Mann, der mich schon beim ersten Chat so fasziniert
hat?...'
Es verstrichen Minuten und ich überlegte - Liebe.. Warum
gibt es sie? Im Endeffekt bringt sie mehr Schmerz als
Freude... Oder ? Kann man mit der Liebe langfristig
glücklich sein? Nein... Liebe ist der Vorbote von
Schmerz, Hass und Leid... Wahre Liebe gibt dir
Zufriedenheit - doch nimmt dir danach alles! Willst du
einem Menschen wirklich dein ganzes Vertrauen und somit
die Versuchung, dir Schmerz zuzufügen geben? Dieses
mußte ich einmal erfahren, sollte ich mich ein zweites
Mal der Versuchung hingeben?
Es war soweit, er ist gekommen, doch wir hatten beide
keine Lust zu chatten und beschloßen, dass wir
telefonieren. Ich war völlig nervös, soll ich abheben?
Was soll ich sagen, was ist, wenn wir uns nicht
verstehen? Doch in diesem Augenblick klingelte es, ich
hob ab und eine zuckersüße, aber denoch markant
männliche Stimme ertönte am anderen Ende "Hi, ich
bin Johannes - bist du Nadine?" Wir führten ein
recht freundliches Gespräch, ich fühlte mich wohl und
wollte in diesem Moment, dass die Zeit stehen bleib, sie
sollte nicht weiterlaufen, ich wollte, dass das Gespräch
nicht aufhöhrt, ich wollte seine Stimme weiter hören.
Doch wie alles im Leben nahm auch dieses Telefonat ein
Ende... doch dieses Ende war erfreulich, wir machten ein
Date aus, er sollte am nächsten Tag zu mir kommen.
Es war 20 uhr abends, noch 2 Stunden zum Treffen war
Zeit, ich badete ausgiebig und hatte nur einen Gedanken
im Kopf 'werd ich ihm gefallen? Werd ich nicht zu
langweilig sein?'
22 Uhr - mein Handy klingelte, er war am Apparat, er fand
meine Hausnummer nicht. Ich führte ihn mit kleinen
Späßen zu meiner Haustür... puh - nur noch wenige
Sekunden, ich drückte den Türsummer, öffnete die Tür
und da stand er ... Es traf mich wie ein Blitz und ich
wußte, nun ist sie da, meine GROSSE LIEBE - ich sah in
Gedanken meine Hände in seinen liegen, wie er sie
festhielt und sie sanft mit seinen Fingern berührt.
Wir saßen auf der Couch, tranken Wein, ich war so
nervös, er merkte das und machte sich noch kleine
Späßchen draus, wir küßten uns, es war so
wunderschön, seine sinnlichen Lippen auf meinem Mund zu
spüren. Unsere Zungen begannen ein zärtliches Spiel
miteinander, ich versank in völliger Lust - oja ich
wollte diesen Mann haben! Er führte mich in eine Welt,
eine Welt, die voller Erotik war, ich hab sie nie zuvor
betreten, doch nun war ich da und wollt sie nie mehr
missen... Langsam erwachte ich aus meiner Trance und da
war sie wieder die reale Welt... Er lag neben mir, so
kalt, so abwertend, was hab ich getan? Habe ich was
falsch gemacht? Nein ich hab nichts falsch gemacht, er
erzählte mir von der Frau, die ihm das Herz zerbrach in
tausend Stücke, ich konnte nicht verstehen, wie ein
Mensch einem sowas antun konnte, einem so herzlichen und
gefühlvollen Mensch wie er es war. Er ging danach nach
Haus und ich nahm mir vor, ihn wieder zu sehen, doch was
sollte ich tun? Er wollte keine Bindung... Aber das war
mir egal, ich ging darauf ein. Ich genoß die Zeit mit
ihm, es war nicht viel, aber diese Zeit war für mich
wunderschön, sie ließ mich all meine Sorgen
vergessen... Ich hatte Hoffnung .
Es vergingen 3 Monate, es waren 3 Monate voller Schmerz,
ich war hin und her gerissen, ich liebte ihn so sehr,
doch wenn deine Liebe nicht erwiedert wird, ist es endlos
schmerzvoll. In all diesen Monaten sagte ich ihm nicht,
dass ich ihn liebte, ich wollte mir selber den Schmerz
ersparen, wenn er mich ablehnte.
Ja, so konnte es nicht weiter gehen, ich verliebte mich
immer mehr in ihn und beschloß alles zu beenden. Ich
suchte mir jemanden Neuen, in der Hoffnung, ich könnte
ihn vergessen. Ich fand einen Mann, doch nun war es an
der Zeit Joh Aufwiedersehen zu sagen...
Der Aschenbecher war voll, eine Zigarette steckte noch am
Rand, unzählige Taschentücher lagen daneben;
Taschentücher in denen all meine Tränen des Schmerzes
waren... Ich sagte ihm kurz und bösartig 'Hey Joh, es
ist vorbei, es war schön mit dir, ich hab nun jemand
anderen...' Ich wollte ihm Schmerz zufügen... - mit der
kleinen Hoffnung, dass er mir nun auch sagte, 'Ich liebe
Dich.'
Ein Jahr verging und auch in diesem Jahr konnte ich ihn
nicht vergessen. Trotzdem ich einen anderen hatte, er kam
immer und immer wieder in meinen Kopf . Ich erinnerte
mich an ihn. An sein Gesicht, seine Hände, seinen
Geruch. Hat er mich schon vergessen? Ich beendete alles
mit dem anderen Mann, noch im Zug auf dem Weg nach Hause
rief ich Johannes an... Da war es wieder das
Glücksgefühl. Ich beschloß in dem Moment 'so mein
Lieber, nun wird gekämpft, nicht noch einmal will ich
diesen Schmerz verspüren...' In den letzten Monaten
haben wir uns manchmal in meiner Wohnung getroffen, haben
uns über alle möglichen Dinge unterhalten und ich hatte
das Gefühl, dass wir uns immer besser verstehen würden
und dass sich zwischen uns ein inniges
Vertrauensverhältnis aufbauen würde. Er wußte immer
noch nichts von meinen Gefühlen, doch diesmal werde ich
es ihm sagen, das nahm ich mir vor - ich warte nur den
richtigen Zeitpunkt ab...
Es war zur Weihnachtszeit, ich besuchte meine Eltern in
einer anderen Stadt, wir chatteten und da schrieb er die
Worte, auf die ich so lange gewartet habe: "Du ich
muß dir was sagen" - endlos lang erschien mir die
zeit bis es kam "Nadine ich hab dich lieb"
Ich weiß nicht mehr, was ich dachte in diesem
Augenblick, nur, dass es einer der schönsten Momente in
meinem Leben bleiben wird. Der Mann, den ich so unsagbar
liebte, sagte mir das in diesem Augenblick, was ich so
lange erhofft hatte. So was vergißt man nie im Leben.
Ich fuhr nach Haus voller Sehnsucht nach ihm, ich wollte
ihn fühlen - riechen - spüren... Die darauf folgende
Zeit war unbeschreiblich schön, wir verbrachten jedes
Wochenende zusammen, ich fühlte mich in seiner Nähe so
geborgen. Wir lachten zusammen, wir gingen spazieren...
und ich wünschte, diese Zeit würde nie vergehen...
Monate voller Leidenschaft vergingen und Joh fing an,
sich zu verändern. Für mich brachen Welten zusammen,
ich verspürte wieder unsagbare Trauer in mir, was ist
nur passiert? Er quälte mich so sehr, ich wußte, was
geschehen war... Ich versuchte es zu verdrängen, doch es
ging nicht; ich fragte ihn "Johannes, ist da eine
Andere?" "Ja, es tut mir leid"...
Ich war schockiert, ich konnte nichts sagen, wollte ihn
nur fragen, 'wieso hast du mir nichts gesagt, wieso
lehnst du mich nun so ab ...' Doch für all diese Fragen
hab ich Antworten bekommen, die ich bis heute nicht wahr
haben möcht; er will es nicht probieren mit mir, er
lehnt mich ab..
Dies bewegte mich später dazu, ihm zu schreiben, um ihm
mein Herz auszuschütten. Ihm nach jahrelangem Schweigen
endlich meine Liebe zu gestehen, vielleicht erneut mit
einer kleinen Hoffnung, dass auch er so empfinden
würde... Wie würde er reagieren, würde ich wieder eine
Abfuhr bekommen, oder war es vielleicht auch unverschämt
von mir, ihn an diesem Tag mit meinen Problemen zu
belästigen? All diese Fragen hielten mich dann doch
nicht von meinem Vorhaben ab, und ich wollte einfach nur
noch, dass er es weiß.
Doch die hoffnung erfüllte sich nicht, er wollte mich
nicht...
Es kam eine Zeit voller Zorn, voller Entäuschungen,
voller Lügen für mich, ich machte mir dennoch
Hoffnungen, doch er log mich erneut an, sagte er hat
keinen Kontakt zur anderen Frau... es war alles Lüge,
ich beging einen Fehler, den werde ich ewig bereuen. Ich
schrieb der Frau eine böse sms... und er wird mich
dafür ewig verachten. Ich war selbst so erschrocken
über mich, was hab ich da getan? Wieso kann ich so
bösartig sein... nein ich will nun nicht mehr kämpfen,
er hat sich verliebt in diese Frau; und wie ich selber
weiß, ist es aussichtslos zu kämpfen... ich lass ihn
nun gehen, weg von mir, es tut so weh und ich hätte ihn
so sehr gebraucht...
Da war
er der letzte Tag, keine 24 Stunden nun her; ich wußte,
nun ist es vorbei. Wir verbrachten eine Nacht zusammen
und es war Zeit zum Abschied nehmen für mich. Ich sagte
ihm nichts davon, was soll das schon bringen, er ist froh
mich los zu sein... und man kann Liebe nicht erzwingen
... er war so kalt, wir redeten über meine Krankheit,
von der ich vor ein paar Tagen erfahren habe, er
wünschte mir kein alles Gute - nichts kam, er wollte nur
schnell weg. Ohne mir noch weiter Beachtung zu schenken,
ging er dann auch los ohne Bedenken. Ein stechender
Schmerz durchzuckte meine Brust, denn mit so einer
herzlosen Reaktion hatte ich nach unseren letzten Monaten
nicht gerechnet.
Ich stand da, mit verweintem Gesicht, machte mir viele
Gedanken. Was hatte die Zeit ihm angetan? Ich sah ihm
nach. Schloss die Augen. Spürte seine Haut an meiner. Wo
ging er nun hin? Was war nur geschehen? Die Schmerzen
verbaten mir, darüber nachzudenken. Es ging ihm gut, was
wollte ich nun mehr. Ich liebte ihn, er liebte eine
andere Frau. Eine bessere Frau?
Das hatte die Zeit ihm getan. Sie hatte die Wunde
geheilt, die tief in sein Innerstes gerissen wurde von
der Frau, die er so liebte... nun ist er bereit für eine
neue Bindung - doch nun bin ich vergessen, keine
Beachtung schenkt er mir mehr. Nur noch die neue Frau ist
bei ihm - HERR...was soll man machen, die Liebe ist so
stark, da kommt keine Macht der Welt gegen an.
Ich
spüre noch immer grenzenloses Verlangen nach ihm,
SEHNSUCHT--- es ist Klirren wie Glas, das in mir
zerbrach,
voller Schmerz in mein Herz stach,
denn meine Sehnsucht wurde nicht erfüllt
und nur mit einem Trauerschleier umhüllt...
verschwommen in tiefster Nacht kann ich um dich weinen,
weil keine Träne dich beschreibt,
kein Schluchzen mich so erschüttert wie dein Gehen -
mein Glaube, meine Hoffnung an uns zwei zerbrochen!
Abschiedsworte voller Schmerz
bohren tief sich in mein Herz.
Kalte Augen sagen mir,
dass ich nun mein Glück verlier.
Gefühle, die zu Sehnsucht neigen,
werden nun für immer schweigen.
Ein Meer aus Tränen voller Qual,
ein sanfter Kuss zum letzten Mal,
den geb ich ihm in meinen Gedanken!
Was bin
ich diesem Menschen dankbar, dankbar dafür, dass er mit
mir Zeit verbracht hat, mir gezeigt hat, wie wunderschön
die Liebe, die Lust, das Verlangen sein kann. Er hat mir
das geschenkt, wovon ich anfangs noch geglaubt habe, es
wird mir nie pasieren... Die große Liebe! Es war ein
Gefühl, so wundervoll, so sanft - ich werd es nie mehr
hergeben. Ja, ich hab ihn an eine Frau verloren, doch bin
ich keine Verliererin, ich bin auch eine Gewinnerin. All
die schönen Erinerungen hab ich tief in meinem Herzen
begraben, dort werden sie immer sein und diese Gedanken
sind vielleicht ein größerer Gewinn für mich, als ihn
in meinen Armen halten zu können, mich sanft an seine
Brust zu lehnen, die Gedanken tun mir nicht weh, sie
werden mir niemals Schmerz zufügen, aber vielleicht
hätte er das gemacht? Ich weiß es nicht! Und nun ist es
wieder ein düsterer Tag, doch nun sitz ich hier nicht
mit düsteren Gedanken, nein nun sitz ich hier als
glückliche Frau, die einen wundervollen Menschen im
Herzen trägt. Ich wähl mich wieder in den Chat ein -
wer wird nun wohl der Nächste sein?....
Zusatz:
Ich hab sie erlebt...
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