| Kim /
November 2003 Mehr als nur ein Freund
Es war
diesen Sommer, da hab ich ihn bei einem Schulprojekt
kennen gelernt. Er ist ganze 4 Jahre älter und doch
haben wir uns sofort super verstanden. Wir tauschten
Telefonnummer und email-Adresse aus. Zuerst dachte ich,
dass er nur ein guter Freund ist, doch je mehr wir mit
einander kontakten, desto mehr weiß ich, dass ich mich
von Tag zu Tag mehr in ihn verliebe.
Er schreibt mir zwar immer, dass er mich mag und dass ich
total nett bin und dass er, wenn er den Führerschein
bald hat, mich auch abholt - aber ich glaub nicht, dass
er je mit mir zusammen sein will, denn ich bin eben 4
Jahre jünger und das darf man nicht vergessen!
Ich glaube auch, dass er in mir nur eine gute Freundin
sieht und nicht mehr. Und wenn ich mir so seine
Mitschülerinnen anschaue, sehe ich hübsche schlanke
Blondinen und mir wird irgendwie immer bewusster, dass
ich keine Chancen bei ihm habe!
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| Scorpio /
November 2003 Steppenwolf und
Veilchenschopf
Die
wenigen Freunde, die er hatte, nannten ihn
"Steppenwolf". Er hasste Rudeltiere und was
andere genussvoll als "Bad in der Menge"
bezeichneten, war für ihn ein Gräuel. Er war nicht mehr
der Jüngste, trug mehrere Narben und hatte immer eine
Wunde, die er entweder leckte oder ignorierte. An diesem
Morgen sass er mürrisch an einem Zweiertisch in einem
Café an der Reuss. Vor sich eine habvolle Tasse
Schokolade, die in seiner gegenwärtigen Stimmung für
ihn als halbleer galt. In der rechten Hand eine halb
abgebrannte Gauloise und vor sich eine Boulevardzeitung,
die er zur Hälfte gelesen hatte. Auch ein Blinder hätte
gespürt, dass der Steppenwolf an diesem Morgen
miserabler Laune war. Er las gerade einen Artikel über
die weitverbreitete Impotenz der Männer, was seine
Bissigkeit noch erhöhte, denn das Problem war ihm gar
nicht fremd!
Plötzlich stand sie vor seinem Tisch, obwohl es im Café
noch genügend freie Plätze hatte. Sie hatte ein
strahlendes Lächeln, das ihren Piercing auf der
Unterlippe noch mehr hervortreten und ihre Zähne wie
eine Perlenkette erscheinen liess. Grossgewachsen, mit
den fraulichen Fettpolstern am richtigen Ort schoss es
Steppenwolf durch den Kopf. Sie trug ein violettes Kleid,
Ton in Ton zur veilchenblauen Farbe ihres kurzen Haares.
Missmutig und doch ein bisschen überrascht hatte
Steppenwolf kurz von seinem Blatt auf die junge Frau
heraufgeschaut und dabei ein Lächeln versucht, das im
Endergebnis mehr einem Zähnefletschen glich. Mit einer
Kopfbewegung und mit einem Handzeichen deutete sie auf
den freien Stuhl und nicht zu bestimmende dumpf
krächzende Laute entsprangen ihrem Mund. Gleichzeitig
deutete sie mit den Händen auf ihre Ohren und Mund und
schaute ihn mit fragendem Blick an. Er nickte und dachte
"taubstumm; bedauerlich, sie wird mich aber nicht
stören können".
Das Mädchen setzte sich, warf einen Blick auf die
aufgeschlagene Zeitung, sah den Titel des Artikels,
zuckte die Achseln und schmunzelte. Steppenwolf wollte
sich wieder seiner Lektüre zuwenden, doch das Mädchen
begann mit Handzeichen und mühevoll formulierten Laute
eine belanglose Konversation. Mehr aus Bedauern als aus
Anstand liess er sich in das mühsame Gespräch ein, doch
in seinem Inneren fühlte er sich gebauchpinselt, dass
sich eine junge hübsche Frau mit ihm abgeben wollte. Er
galt zwar immer noch als attraktiv, trotz der Furchen,
die das Leben durch sein Gesicht gezogen hatte und
ungeachtet des verbissenen Gesichtsausdrucks, den er als
Markenzeichen trug. Als Realist sah er sich hier wohl
für die Rolle des Ersatzvaters auserkoren worden zu sein
und die war ihm in Anbetracht seines "Problems"
nicht unwillkommen. Mehr als eine Stunde unterhielten
sich Heidi und Steppenwolf. Die Zeit verging im Nu und
seine griesgrämige Laune wurde besser und sein Antlitz
milder, weicher, väterlicher. Sie tauschten die
Handy-Nummern aus und die E-mail-Adressen, wobei
Veilchenschopf augenzwinkernd meinte: "bitte nur
SMS" und deutete auf ihren Mund und auf ihre Ohren.
Steppenwolf hatte die Begegnung nicht vergessen, hielt
sie aber für eine einmalige Sache. Er war im Moment zu
sehr mit seiner Kunst beschäftigt und hatte zudem einen
regen und anregenden Mailkontakt mit einer Hexe, wie er
sie nannte, im fernen Deutschland. Bis zu jenem Tag, als
auf seinem Handy die Nachricht aufleuchtete: "Ich
hab dich lieb, Heidi!". Eine Mischung aus
angestachelter Neugier und Selbstüberschätzung
veranlassten ihn, ihr eine Mail zu senden. Sie war so
abgefasst, wie er üblicherweise zu schreiben pflegte:
geheimnisvoll, zweideutig-eindeutig, einfühlsam und mit
einer Prise Erotik gewürzt. Sie schrieb zurück und in
den nächsten Wochen tauschten sie rege Mails aus, immer
intimer und immer mehr mit erotischen Anspielungen
gespickt. Veilchenschopf wurde auch immer frecher und in
einem Brief schrieb sie; "...und übrigens, von dir
möchte ich gestreichelt werden, so wie du es gestern
beschrieben hast". Bei Steppenwolf erwachte
Jagdinstinkt! Er wusste zwar, dass er das zarte Reh nie
würde reissen können. Es fehlte ihm nicht am wollen,
aber es haperte am können.... Das Spiel mit dem Feuer
reizte ihn, der ungewisse Ausgang eines solchen
Abenteuers liess bei ihm Schmetterlinge im Bauch fliegen.
Sie trafen sich, bei ihm zuhause, am einem
Januar-Nachmittag. Veilchenschopf sah betörend aus und
roch wie ein Lavendelfeld, ein Parfüm, der dem alternden
Steppenwolf den Verstand raubte. Nach einer Weile und
nach einem Glas Champagner begann Veilchenschopf sich
ganz ungeniert und ein bisschen unbeholfen, doch sehr
aufreizend zu entkleiden. Keine Strapse, kein String,
ganz gewöhnliche Mädchenwäsche, ein weisser BH und ein
Slip mit gelben und blauen Schmetterlingen. Sie legte
sich bäuchlings auf die Couch, schaute den verwirrten
Wolf herausfordernd an und nickte leicht mit ihrem Kopf.
Steppenwolf legte eine CD auf, sinnigerweise das
Leitmotiv der "Titanic". Er begann sie
zärtlich und intensiv am Rücken zu massieren, beachtete
ihre Reaktionen und wusste bald, wo er streicheln musste,
um dem Ziel, das er nie erreichen würde, näher zu
kommen. Auf die gleiche Art und Weise berührte und rieb
er ihre Vorderseite hingebungsvoll ein, blieb mit seinen
Hände an den Brüsten hängen, fuhr mehrmals, wie
unabsichtlich, über ihren Venushügel, streifte ihre
Grotte und genoss ihr Seufzen. Veilchenschopf war nicht
aus Stein, ihr Gesicht war leicht errötet und sie
streckte dem Steppenwolf willig ihr Körper entgegen. Sie
wollte sich beim ihm revanchieren und versuchte dem Wolf
Hemd und Hose abzuziehen. Seinen Satz langsam
artikulierend seufzte er: "Nein Liebes, das dürfen
wir nicht! Ich möchte mich wie dein Vater verhalten.
Komm, zieh dich an, bitte!"
Sie würde ihn in Zukunft noch mehr bewundern und
begehren!
Der Steppenwolf dachte aber an den Artikel in der
Boulevardzeitung und schwor, sich baldmöglichst Viagra
zu verschaffen.
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