| das_engelche / März
2005 Etwas verlieren, das man nie
besessen hat
Vielleicht
ist es seltsam, aber noch heute, ...fast 9 Monate
später..., erinnere ich mich noch an jede einzelne
Sekunde unseres ersten Treffens.... Alles begann mit
einem Klavier und unseren gescheiterten Versuchen irgend
etwas Vernünftiges darauf zu spielen... Es war Sommer,
Mitte Juli, und wir hatten eine lustige Kirmes-Nacht
hinter uns, sind danach noch bei einem Freund eingekehrt
und haben den Abend ausklingen lassen... Sascha hatte mir
von Anfang an gut gefallen, jedoch kann ich bis heute
nicht sagen, warum..., denn eigentlich war es Karo, eine
Freundin von mir, die so unsterblich in ihn verliebt
war... Bereits in dieser Nacht hatte es aber schon
anfangen zu knistern zwischen Sascha und mir. Ich wusste,
dass an dieser Stelle gar nicht anfangen dürfte, was
gerade dabei war anzufangen und deshalb hielt ich mich
die nächsten Wochen zurück...
Wir sahen uns relativ regelmäßig, meist jedes
Wochenende, aber passiert ist wochenlang nichts zwischen
uns, wahrscheinlich weil ich meine Gefühle lange Zeit
verdrängt hatte...
Doch irgendwann kam es zum ersten Kuss..., wir waren in
einem Club und niemand hätte dort mit Sascha gerechnet,
aber er tauchte auf... An diesem Abend hatte ich zum
ersten Mal angefangen, über Gefühle zu reden..., vorher
war ja eigentlich alles noch Spaß, fast wie ein Spiel...
Leider war mir zu dieser Zeit nicht bewusst, dass es bei
einem Spiel in den meisten Fällen einen Verlierer
gibt... Doch schon damals konnte er mir nicht sagen, was
in ihm vorgeht..., er meinte, er stehe momentan noch
nicht mal auf seiner Seite und müsse das herausfinden...
Zu diesem Zeitpunkt kam ich noch recht gut damit klar,
obwohl es weh tat...
Es vergingen Wochen, unser Kontakt ebbte mit der Zeit ab
und ich war zu feige, ihn erneut auf UNS anzusprechen...
Im Oktober fuhr ich schließlich mit Manu, einer
Arbeitskollegin in den Urlaub, einfach, um mal
rauszukommen... Ich dachte weniger an ihn, hatte ihn aber
nie ganz vergessen... Wieder zurück in der Heimat wurde
mein erster Abend gleich wieder zum Feiern genutzt...
Meine Freundin Susi, die ich leider viel zu selten sehe,
überredete mich, mit ihr in einen Club zu gehen, in dem
ich schon ewig nicht mehr war, der mir aber früher immer
recht gut gefallen hatte... Der Abend war spitze, alles
fing super an..., doch dann sah ich ihn..., Sascha bahnte
sich den Weg zur Bar... Warum war er hier? Warum reißt
er mich immer wieder so aus der Bahn...? Ich wollte ihm
anfangs aus dem Weg gehen, doch dann kam es fast zum
Frontalzusammenstoß zwischen ihm und mir..., wir
unterhielten uns sehr nett und mein Herz schlug
Purzelbäume, obwohl ich mir geschworen hatte, nicht mehr
weich zu werden...
Es kam, wie es kommen musste..., er ist mit zu mir
gekommen, wir haben die Nacht zusammen verbracht... Am
nächsten Morgen ist er gegangen..., ohne Kuss, ohne
liebevolle Worte..., er war einfach nur weg... In meinen
Gedanken drehte sich alles..., ich wusste nicht mehr, was
ich denken sollte... Alles schien wie ein
One-Night-Stand, nur dass die Gefühle auf meiner Seite
viel zu stark waren, um mich damit abzufinden.
Wieder vergingen Wochen, bis wir uns wiedersahen, aber es
schien, als stünde eine meterdicke Mauer zwischen
uns..., ich fühlte mich benutzt, kam mir albern vor, ihm
so tiefe Gefühle entgegengebracht zu haben...
Dann erfuhr ich von seinem Kumpel Daniel, dass Sascha das
alles nicht leicht fällt, aber dass ich wissen sollte,
dass ER eine Freundin hat...Was? Freundin? Wie? Seit
wann? Ja, er hatte seine Freundin praktisch mit mir
betrogen, soviel war klar... Ich war geschockt, denn
dieser Aspekt war der letzte, mit dem ich gerechnet
hätte... Ich hatte sogar eine zeitlang das Gefühl, er
wollte mich einfach nur benutzen, mal ausprobieren, wie
eine Katalogware... und dann wieder zurückgeben..., aber
dass eine andere Frau dahinterstecken könnte, hatte ich
nie in Erwägung gezogen...
Die nächste Gelegenheit nutzte ich, ihn zur Rede zu
stellen..., ich war so schon ziemlich sauer und der
Alkohol erledigte den Rest..., kurz: ich hatte ihn in
Grund und Boden geredet... Im Nachhinein tat es mir ein
wenig leid, aber ändern konnte ich nix mehr... Ich
dachte, nun gehörte ich endgültig einem Teil seiner
Vergangenheit an und allgemein... ich war ihm eh egal...,
dachte ich...
Nur wenige Tage später erzählte mir Daniel, dass sich
Sascha von seiner Freundin getrennt hatte... War ich der
Grund? Hatte ich ihn dazu getrieben?
Ich zwang mich tage- ja vielleicht wochenlang, mich nicht
bei ihm zu melden..., und schließlich..., es war 1 Tag
vor Heiligabend..., da traf ich ihn wieder in jenem Club,
wo unsere erste Nacht ihren Lauf genommen hatte... Er
sagte mir, dass er wisse, dass er unheimlich blöd
sei..., dass ich eigentlich genau DIE Frau sei, die er
sich als seine Freundin wünschen würde..., aber dass er
nicht wisse, was ihn daran hindere... Und trotzdem
schlief ich wieder mit ihm...., ich weiß nicht warum,
denn mir war klar, dass ich mich danach wieder schlecht
fühlen würde... Wahrscheinlich hatte ich einfach nur
den Moment genossen..., einfach, dass er da war...
Unser weiterer Kontakt beschränke sich auf Mails, die
von ihm entweder damit beantwortet wurden, dass er meine,
es würde nicht funktionieren, er hätte Angst, verletzt
zu werden und er wisse einfach nicht, was fehle...
Manchmal ging es mir gut ohne ihn, ohne Antwort auf meine
letzten Mails, allgemein..., ohne ihn zu sehen... Ich
wusste, dass ich aus meinem Tief rauskommen muss, dass
ich nie mit ihm glücklich werden würde und dass mein
Leben ohne ihn weitergehen muss...
Nach und nach begann ich, ihn zu verstehen..., sah, dass
er mir sehr ähnlich ist..., dass ich - wenn ich ihn
anschaue - mich sehe, wie ich einmal war.... Hatte
gesehen, dass er vor sich selbst davonläuft und seinem
Glück im Weg steht....
Und trotzdem hatte ich jedes Mal, wenn er von mir wegging
das Gefühl, etwas verloren zu haben, was ich nie
besessen hatte... Ich spürte einfach, dass er sich in
meiner Nähe wohlfühlt, dass er gern bei mir ist, dass
er sich von mir verstanden fühlt... Ich konnte einfach
nicht glauben, dass er dieses Glück nicht zulassen
möchte...
Scheinbar muss ich mich damit abfinden, dass es ewig so
mit uns weitergeht... Vielleicht muss ich einfach nur
Geduld haben..., auch wenn es schwer fällt...
Zusatz:
Das ist der derzeitige Stand der Dinge... Ich liebe
diesen Mann, obwohl ich nicht weiß, ob er mich nie
glücklich machen könnte...
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