| Chanell / August
2007 Starke Liebe
Es war
einmal...
...eine junge Frau, 21 Jahre alt. Sie lebte seit 5 Jahren
in einer Beziehung und war im 3. Monat schwanger. Ein
Wunschkind, da sie ihr erstes Baby 1 Jahr zuvor im 6.
Schwangerschaftsmonat verloren hatte. Es war in ihrem
Bauch gestorben. Einfach so....
Das hatte sie schwer getroffen. Aber ihr Leben war in
Ordnung, es war gut und sie freute sich auf das Baby,
darauf eine Familie zu haben.
Dann kam der Tag in ihrem Leben der alles veränderte.
Es war ein Samstag im August des Jahres 1997. Gegen
Nachmittag klingelte es an der Tür. Es war nicht ihre
Art nachzufragen wer vor der Tür steht. Es war
Wochenende, es konnten nur Freunde sein. Also drückte
sie den Türöffner und machte die Tür auf. Sie stand
einem jungen Mann gegenüber, den sie noch nie zuvor in
ihrem Leben gesehen hatte und er sagte: Hallo, ich
bin Sven und dein Mann hat gesagt, wenn ich Probleme
habe, kann ich vorbei kommen.
Und sie wusste es, genau in diesem Moment, wenn auch nur
unbewusst, da war etwas...zwischen ihnen.
Er hatte Probleme...sprach den Nachmittag über mit ihrem
Freund. Sie hörte nur zu und als er ging, lud sie ihn
auf einen Kaffee ein, wenn er wieder in der Nähe sein
sollte.
Schon am nächsten Wochenende war er wieder da und blieb
zum Abendbrot, dabei erwähnte er, dass er die Woche
zuvor zweimal da gewesen wäre, um das Versprechen auf
einen Kaffee einzulösen....nur sie war ja nicht da
gewesen. Ihr Freund war zu der Zeit, ein Jahr lang auf
Lehrgang und nur am Wochenende da. So kam es mit der
Zeit, dass sie sich oft sahen und einander Zeit und Hilfe
gaben. Er kam sogar täglich in der Mittagspause vorbei,
um diese Zeit gemeinsam mit ihr zu verbringen. Sie
sprachen über viele Dinge, was sie bewegte, was sie
suchten, was sie wollten.
Da war mehr... vom ersten Tag an. Doch darüber sprachen
sie nie. Im Gegenteil, Sven brachte seine neue Freundin
mit, stellte sie ihr vor, fragte nach ihrer Meinung...
Sie war nicht verletzt deswegen, auch nicht
eifersüchtig, sie sah es als Vertrauensbeweis.
Irgendwann in dieser Zeit und während ihrer
Schwangerschaft, kam ihr der Gedanke, dass es nicht so
weitergehen könne, dass sie diese Sache stoppen musste,
bevor das Gefühl die Überhand gewann.
Es kam, wie es kommen musste. Nichts geschieht ohne Grund
und das Schicksal spielte ihr den Ball zu.
Eine Freundin mit der sie gemeinsam gelernt hatte, kam zu
Besuch. Ein dummer Zufall, mehr nicht. Wie es aber der
Zufall wollte, war die Freundin allein und ebenfalls
schwanger. Sie stellte Sven ihre Freundin vor...
Die beiden wurden ein Paar. 3 Wochen nach der Entbindung
von ihrer Tochter, brauchte sie seine Hilfe. Dringend...
Er war noch immer ihr Freund. Ihr bester Freund. Er war
für sie da...in jeder Situation.
An einem solchen Abend, sie sassen gemeinsam in ihrer
Küche und tranken Wein, sagte sie zu ihm: Wenn Du
eine Frau wärst, wärst Du meine beste Freundin.
Oft kamen sie sich sehr nahe, jedoch ohne zu weit zu
gehen. Unterschwellig sprachen sie über, was wäre
wenn... wie wäre es...
Doch die Eifersucht schwelte... in ihrer Freundin. Ihr
Freund wurde davon infiziert und machte ihr bitterböse
Vorwürfe, sie hätte ihm einen guten Freund weggenommen.
Während sie mit Sven Abende in der Küche verbrachte, um
Gespräche zu führen, einfach um einander nah zu sein,
sassen die beiden mit bitterbösen Minen im Wohnzimmer
vor dem Fernseher.
Dann kam der Abend an dem sie ihren ganzen Mut zusammen
nehmen und mit ihm über alles sprechen wollte. Sie
gingen gemeinsam etwas trinken und fuhren dann zu ihm.
Unausgesprochenes lag in der Luft. Banalitäten wurden
gewechselt, bis er schliesslich zu ihr sagte:Was
willst Du? Das Schlafzimmer ist dort, wir können dahin
gehen.
Sie sagte ihm darauf, dass sie sich ganz sicher nicht in
das Bett legen würde, in dem er sonst mit Katja lag. Sie
bat ihn darum, sie nach Hause zu bringen.
Dann zu Hause an der Tür, versuchte er sie zu küssen.
Sie liess es nicht zu und drehte den Kopf zur Seite. Als
er sich umdrehte und gehen wollte, sagte sie nur zu ihm:
Wenn du jetzt durch diese Tür gehst, gibt es kein
zurück mehr.
So sollte es kommen. Sie blockten gegenseitige Anrufe ab,
bewarfen sich gegenseitig verbal mit Dreck und versuchten
den anderen so gut es ging zu ignorieren.
Das war alles, was übrig war...
Etwa ein Jahr später im Oktober 1998 war sie mit ihrem
Freund zur Hochzeit eines seiner Kollegen eingeladen. Sie
wusste auch Sven mit Katja würde dort sein. Nach der
Trauung in der Offiziersmesse, sah sie Sven nach dieser
langen Zeit wieder... zum ersten Mal. Wie
selbstverständlich nahm er sein Glas und setzte sich mit
zu ihnen an den Tisch. Katja nötigte er dasselbe zu tun,
obwohl sie die Antipathie in ihrem Gesicht sah. Sven bat
sie um einen Tanz. Als sie auf der Tanzfläche eng
aneinander geschmiegt tanzten, ganz so als müsste es so
sein und wäre nie anders gewesen, sagte er etwas zu
ihr.... Sie hat vergessen, welche Worte es waren, doch
ihr Herz sagt, dass es wichtige Worte waren... vielleicht
die Wichtigsten ihres Lebens. Und sie hat immer geglaubt
nichts zu vergessen, was mit ihm im Zusammenhang stand...
Und doch ist dies unweigerlich geschehen...
Endlich an diesem Abend, egal wie unpassend es war,
wollte sie mit ihm darüber sprechen... was sie für ihn
fühlte, wie wichtig er für sie war, dass sie ihn nie
gehen lassen könnte... ganz.
Sie bat ihn mit vor die Tür zu kommen. In seinen Augen
sah sie, dass es ihm ebenso ging... als sie anfangen
wollte zu sprechen, alles bereinigen... auf dass alles
gut würde, kam der Chef ihres Mannes um sie zum Tanz zu
bitten. Sie ging mit...ohne das Wesentliche gesagt zu
haben...
Während sie tanzte brach eine allgemeine Aufregung
los...
Die Menschen kamen zu ihr und fragten, aus welchen Grund
ihr Freund auf Sven eingeschlagen hätte... sie wusste es
nicht. Sie konnte die Situation nicht retten, also nahm
sie ihren angetrunkenen Freund und fuhr mit ihm nach
Hause.
Danach sah sie Sven nicht wieder...
16. Juli 1999. Sie hat gerade ihre Tochter mittags zu
Bett gebracht, als es an der Tür klingelt. Sie öffnet,
ohne nachzufragen, wer es ist...
Sven steht in der Tür, in Uniform und sagt zu ihr:
Ich bin gekommen um mich von Dir zu verabschieden,
ich gehe morgen mit Katja nach München, ich bin versetzt
worden. Ich wollte Dich noch einmal sehen.
Sie ist sprachlos. Er bietet ihr an, den letzten Abend
hier mit ihr zu verbringen, sich auszusprechen. Sie soll
ihn am Abend an der Kaserne abholen. Ihr Freund ist wie
so oft grad auf Lehrgang und nicht zu Hause.
Abends holt sie Sven ab, sie fahren zu ihr nach Hause.
Sie trinken Wein, sprechen über alles und nichts was die
letzten Jahre geschehen ist... ohne das Wesentliche
auszusprechen...
Irgendwann an diesem Abend nimmt Sven ihre Hände in
seine, sieht sie an und sagt: Willst du mir nicht
endlich sagen, was du mir schon die ganze Zeit sagen
wolltest, die Wahrheit?
Sie schaut ihm in die Augen und sagt: Ich kann
nicht, nicht wenn Du gehst und ich dann allein damit
bin.
Daraufhin fasst er ihre Hände fester, sieht ihr in die
Augen und sagt: Was denkst, warum ich noch einmal
zu Dir gekommen bin? Weil es mir seit dem Tag, an dem wir
uns das erste Mal gesehen haben, genauso ging. Ich liebe
Dich. Ich habe dich schon immer geliebt.
An diesem Abend gab sie all ihre Bedenken und ihre
Gegenwehr auf... sie gab sich ihm hin. Sie liebten
sich... lang... zärtlich und innig bis zum Morgen. Etwas
das nicht für die breite Öffentlichkeit gedacht ist.
Mit all ihren Berührungen gab sie dieser Liebe Ausdruck,
in dieser einen Nacht, war sie wirklich zu Hause...
angekommen in sich selbst. Und auch bei Ihm... das was
sie solange gefühlt und gewusst hatte war Wirklichkeit,
Unendlichkeit, gefangen in diesen Stunden, eingebrannt in
die Seele für die Ewigkeit.
Am frühen Morgen fuhr sie ihn zurück zur Kaserne. Sie
versprachen einander zu telefonieren und einen Ausweg zu
finden, zusammen zu sein, zusammen zu leben, dieses eine
Leben gemeinsam zu verbringen...
Täglich telefonierten sie miteinander. Seine Handy
Rechnung 300 DM ohne dass er es erklären konnte. Oft
rief er sie mitten in der Nacht an... weinte am Telefon
und ihre Sehnsucht war so gross.
Er schickte ihr Blumen... rote Rosen, die sie nicht
behalten konnte, es wäre aufgefallen.
In dieser Zeit verabredeten sie zwei Treffen, er kam aus
München hierher, an die sie sich nicht hielt.
Sie weiss nicht, warum sie nicht dahin ging. Er machte
ihr keine Vorwürfe, sprach davon, sie müssten nur eine
Zeit von 4 Monaten überbrücken, dann könnten sie
beieinander sein, er würde sich wieder versetzen lassen,
dann könnten sie zusammen sein... zusammen leben...
lieben.
Dann kam der Tag an dem es zu Ende war. Sie meldete ihr
Festnetz ab, besorgte sich ein Handy und war für Sven
nicht mehr erreichbar...
DOCH SIE LIEBTE IHN, SIE LIEBTE IHN SO SEHR, WIE NOCH
KEINEN MENSCHEN ZUVOR IN IHREM LEBEN... UND SIE TUT ES
NOCH IMMER!!! VERDAMMT!!!
Doch sie brach den Kontakt völlig ab.
Sie selbst hatte eine schwere Kindheit hinter sich,
erlebte zwei Scheidungen ihrer Mutter und diverse Freunde
ihrer Mutter, die auch vor Prügel nicht zurück
scheuten. Das wollte sie nicht für ihre Tochter.
Deswegen blieb sie beim Vater ihres Kindes... um ihrem
Baby eine Familie zu geben, die Familie, die sie nie
hatte.
Ein Jahr später, wurde die Sehnsucht so gross, dass sie
die Handy Nummer wählte, die Sven ihr gegeben hatte....
den Teilnehmer gab es nicht mehr... Sie hat sich selbst
verflucht dafür, dass sie ihm so weh getan hat, sie
weiss, das kann sie nicht wieder gut machen... sie weiss,
sie hat Schuld auf sich geladen.
Sie hat Sehnsucht noch immer... sie liebt ihn
wahrscheinlich noch immer...
Doch das Ende der Geschichte ist noch nicht erzählt...
Etwa zwei Jahre später, sie war mit ihrem Freund gerade
mit dem Abendbrot fertig geworden und räumte den Tisch
ab, da sagte er zu ihr: Ich hab heut in der Kaserne
Sven getroffen. Er war auf Besuch aus München da. Er hat
mir seinen Ehering unter die Nase gehalten. Er hat Katja
geheiratet und gefragt wann wir denn endlich
heiraten...
So banal es klingen mag, in diesem Moment fiel ihr der
Käse aus der Hand... sie wusste, dass diese Nachricht
allein für sie bestimmt war.
Es tat weh, es tat unendlich weh, es tut heute noch weh,
wenn sie daran zurück denkt.
Einige Zeit später tat sie alles, um in Kontakt mit Sven
zu kommen. Doch es gelang ihr nicht. Sie hatte
zwischenzeitlich erfahren, dass er für zwei Jahre ins
Nato-Hauptquartier nach Brüssel gewechselt war... sie
rief dort an. Natürlich bekam sie ihn nicht zu spechen,
es wurde auch keine Nachricht überbracht... sie
versuchte es über die Telekom, über das Internet...
NICHTS!!!!
Es war zu spät...viel zu spät.
Eins bleibt noch zu sagen, die Beziehung zu ihrem Freund
ging nach 12 Jahren kaputt und es war eine böse
Trennung. Der Traum von der heilen Familie für ihre
Tochter war geplatzt.
An einem solchen Abend der Aussprachen sagte ihr Freund
zu ihr: Weißt Du warum ich Sven auf der Hochzeit
damals eine reingehauen hab? Sie schüttelte nur
den Kopf.
WEIL ER DAMALS ZU MIR KAM UND SAGTE, ICH LIEBE
DANNY, LASS SIE GEHEN, DU LIEBST SIE DOCH SCHON LANG
NICHT MEHR...
An diesem Abend hat sie seit langer Zeit wieder geweint,
geweint um all das, was sie verloren hat, geweint um
Sven... Und etwas von dieser Liebe, wird sie immer in
sich tragen....
Viele Jahre sind seit dem vergangen und sie kann nicht
damit abschliessen... an einem einsamen Abend sitzt sie
vor dem Rechner und tippt all diese Worte in die Tastatur
und hofft noch immer... denn Sven hat einmal zu ihr
gesagt: "MAN SIEHT SICH IMMER ZWEIMAL IM
LEBEN..."
In diesem Sinne: "Es gibt Dinge, die müssen wir
niederschreiben, damit sie nicht in Vergessenheit
geraten, egal wieviel Zeit vergehen mag."
Danny
Zusatz:
Wahrheit und nichts als die Wahrheit!
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