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Das Schiff und der Mond
Eine Geschichte von © Bella / Dezember 2016
Es war einst ein Schiff auf den Meeren unterwegs das groß und mächtig schien. Es war aus robustem Holz erbaut und bot viel Platz für Reisende. Seine starken Segel trotzen dem Wind und den Stürmen und es sah in seiner äußeren Erscheinung altmodisch aus, jedoch war es im Innern hochmodern ausgestattet. So segelte es viele Jahre über die Weltmeere, sah viele Menschen kommen und gehen, erlebte unzählige Geschichten und war zufrieden damit wie es war.
Eines Nachts, als es vor einer Insel lag, bemerkte es in der Stille ein neues Gefühl. Wie konnte es sein, dass es bei all diesen wunderbaren Geschichten,all den Reisen, den unzähligen Sonnenaufgängen, plötzlich dieses starke Gefühl hatte? In der Stille der Nacht erkannte es, was es war. Einsamkeit und Trostlosigkeit.
Woher kamen sie und was wollten sie? Mehr zufällig betrachtete es längere Zeit den Mond und wusste nicht wohin mit diesem Gefühl. Konnte es dieses Gefühl nicht abschütteln, war es ihm jedoch auch nicht möglich, es jemanden mit zu teilen, der ihm hätte helfen können. Als es so längere Zeit den Mond betrachtete fiel ihm auf, dass es ihm nie Beachtung geschenkt hatte, denn er war doch eher ein sehr schweigsamer Geselle und unscheinbar. Viel Zeit verging seit dieser Nacht und nach und nach veränderte sich das Gefühl der Einsamkeit und Trostlosigkeit zur Achtsamkeit zum Mond. Das Schiff bemerkte immer mehr wie schön, sanft und liebevoll er war. Mit Sicherheit war die Sonne lustig, erwärmend und in all Ihrer Pracht anschaulich, wenn sie auf und unter ging. Ein grandioses Farbenspiel! Und auch die Reisenden sorgten immer für Abwechslung und Lebendigkeit.
Eine weitere Nacht verging, bis das Schiff bemerkte, dass es von der Großartigkeit und stillen Schönheit des Mondes völlig verzaubert war. Seit der ersten Nacht, in der es die Einsamkeit entdeckt hatte, gelang es ihm schon den schweigenden stillen Mond in ein Gespräch zu vertiefen, das beide berührte. Sofort sagte ihm der Mond nach einigen wenigen Sätzen :“Vier Tage nachdem ich das Meer kennen gelernt hatte, fragte ich es ob es mit zusammen sein möchte.“
Er blickte verzaubert und verzückt bei diesen Worten und das Schiff hätte es ihm freundschaftlich gegönnt (Sie hatten sich ja gerade erst kennengelernt, das Schiff und der Mond), jedoch sagte er weiter: “Es hat nein gesagt“ Dabei blickte er abwesend und leer. Das Schiff dachte, dass das Meer mit dem Mond nur spielte und ein schlechtes Element mit schlechtem Einfluss war, wusste es doch, dass der Mond ernsthaftes Interesse hatte. Mal war es sehr aufmerksam, dann entzog es sich wieder für sehr lange Zeit.
Das Schiff dachte daran, den Mond zu einem guten Freund zu machen, verstanden sie sich doch sehr gut und es war stets harmonisch, wenn sie sich austauschten. Es ging einige Zeit gut, das Meer mischte sich ab und zu in die Gespräche ein, aber ansonsten schien alles auf eine Freundschaft hinaus zu laufen.
Jedoch kam es so, dass der Mond ab und an abweisend war und oft schlecht gelaunt und irgendwann kein Wort mehr redete, nachdem er längere Wochen hinter Wolken verschwunden war. In der besagten Nacht, als das Schiff die vollkommene Pracht des Mondes erfasste und völlig verzaubert war, sagte es ihm, daß es mit ihm zusammen sein will. Der Mond lehnte kühl ab. Einige Tage später sagte das Schiff sehr traurig: “Du wolltest nur mit mir zu tun haben, um raus zu finden, ob du mit mir zusammen sein willst oder nicht. Ich selbst bin dir egal“. Sofort fing der Mond an sich zu rechtfertigen und das Schiff zu beschwichtigen. Das Schiff schaute den Mond noch traurig an und segelte davon.

Schiff

Viele Jahre sollten vergehen, inzwischen waren der Mond und das Meer zusammen, spielten Ihr Spiel, hin und her, Ebbe und Flut.
Das Schiff hatte sich von den Reisenden, dem Meer und der Sonne entfernt und war die meiste Zeit vor Anker im Hafen. Manchmal sah es den Mond und das Meer, aber stets allein ohne den anderen. Es dachte oft an die Zeit zurück und der Mond schien nicht glücklich. Oft hatte das Schiff das Gefühl, der Mond würde seine Nähe suchen, es in seinen Träumen besuchen und es täte ihm leid. Es hatte sich so sehr gewünscht, dass er und das Meer glücklich werden. Auch hatte sich das Schiff über die Jahre sehr ernste andere Gefährten, schöne Schiffe, sogar einmal ein Zeppelin, als Partner ersonnen. Der Zeppelin hatte es in seiner luftigen Einsamkeit jedoch auch im Stich gelassen.

Es war ein ruhiger kühler Abend im Oktober, als das Schiff einen heftigen Sturm überstanden hatte und von vielen Seemännern und Hafenarbeitern repariert worden war. Während dieses riesige Loch in der Flanke des Schiffs klaffte, hatte es zweimal den Mond in kurzen Abständen gesehen. Er wirkte gestresst und abwesend, scheinbar gab es immer mehr Streit zwischen dem Meer und dem Mond.
Das Schiff hatte sehr oft all die Jahre an den Mond gedacht und oftmals, wenn es bestimmte Inseln ansteuerte, kreiste der Mond sehr nah und stillschweigend um das Schiff. An diesem Herbstabend legte das Schiff an einer alten Insel an, die der Mond noch nicht so lange kannte. Das Schiff hatte nicht damit gerechnet, dass an diesem Abend ausgerechnet auch der Mond anwesend sein würde, denn es hatte lange nicht an den Mond gedacht. So fragte eine Bekannte, eine Butterblume, den Mond: “Und wie geht es dem Meer? Ich habe gehört, es ist jetzt in einem anderen Gebiet, es ist seit einem halben Jahr weg?“ Sofort schoss es dem Schiff in die Gedanken “Oh Gott, es ist also wahr. Das Meer hat den Mond wirklich verlassen, sonst wäre er mit ihm gegangen“, denn der Mond antwortete kurz und abgehackt“ Ja, es ist jetzt nicht mehr hier“.
Was sollte das Schiff jetzt tun? Nach all der Zeit und den Jahren, in denen alle möglichen schönen und furchtbaren Dinge passiert waren, entdeckte das Schiff etwas, dass es für kaum möglich gehalten hätte. Es dämmerte ihm erst, nachdem es sich in den folgenden Zeiten immer wieder auf der Insel einfand und der Mond auch da war. Bislang war es immer genervt gewesen wenn der Mond aufgetaucht war. Hatte er sich doch niemals entschuldigt, hegte nur selbstmitleidige Schuldgefühle und redete, wenn überhaupt, mit dem Schiff so, als wenn alles in Ordnung wäre.
Das Schiff hatte einst gehört, dass es etwas gibt, das nach all dem schönen Verliebtsein, Höhenflügen und Vorstellungen übrig bleibt. Plötzlich hatte es verstanden was es entdeckt hatte. Die Liebe.
Das Schiff hatte den Mond ab dieser Zeit nicht gesehen und die Insel gemieden, weil es wusste wie schwer es für den Mond war, das Meer zu vergessen. Keiner konnte dem Schiff sagen, ob er das Meer je wirklich loslassen würde. Aber wer kann das schon? Können der Mond und Schiff am Ende glücklich werden?
Bis heute segelt das Schiff leise und vielleicht wird sich der Mond eines Tages seinen Gefühlen zu erkennen geben und sehen wie schön das Schiff ist.
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