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Das Geschenk
Eine Geschichte von © wellsgray / Januar 2008
Glaubt ihr daran, dass neben aller Normalität in unserem Leben so etwas wie Magie existiert?
Zufälle, die möglicherweise tatsächlich nur eine momentane Laune des Schicksals sind?
Oder doch so seltsam, dass man hoffen darf, ein Hauch von etwas Mystischem, Unerklärlichen hätte einen gestreift?

Diese Geschichte ist ein bißchen Liebesgeschichte und sie ist ein bißchen magisch. Und sie ist wahr.
Die Vorgeschichte beginnt ca. 1980. Jedenfalls waren mein Mann und ich jung verheiratet. Geboren wurde ich in einem kleinem österreichischen Dorf, namens Fornach. Laut Historikern soll es neben römischen, auch keltische Wurzeln haben. Jedenfalls war ich in unserem Freundeskreis eine ganze Weile das „Keltenmädchen“. Einer unserer Freunde war (und ist) Goldschmied. Mein Mann wusste, ich wünschte mir ein Pentagramm, einem auch bei den Kelten verwendeten magischem Symbol, aus Gold. Zu kaufen gab es so etwas zu dieser Zeit nicht und deshalb machte er es in der Werkstatt unseres Freundes selber. Am Morgen meines Geburtstags legte er mir dann die Kette mit dem Anhänger um. Es war ein wunderschönes Geschenk, das für mich nun nicht nur die Bedeutung, die ihm die Kelten zugemessen hatte, sondern auch ein Stück der Liebe meines Mannes, in sich trug. Ich habe mich lange Zeit weder Tag noch Nacht von meinem Pentagramm getrennt. So auch bei einem Kanadaurlaub im Jahr 1986. Wir besuchten unter anderem unsere Freunde nahe Clearwater, am Rand des Wells Gray Nationalparks. Sie betreiben dort eine Outfitting-Ranch für Touristen.
An einem heißen, schönen Augusttag beschlossen wir spätnachmittags noch eine kleine Wanderung in den Park zu den Dawson Wasserfällen zu machen. Dort angekommen, kletterten wir oberhalb der Wasserfälle auf einen sonnenwarmen Felsen, um uns das Rauschen der Bäume, das Tosen des Wasserfalls und der tiefblaue Himmel über uns. Irgendwie hatte ich dann die romantische und zugegeben ziemlich blöde Idee, mein Pentagramm in dem wilden, klaren Wasser in einer Art mystischen Taufe zu weihen. Mein Mann war samt Freunden wieder am Fuß des Wasserfalls, als ich oben am Felsen die Kette mit dem Pentagramm abnahm und ohne sie zu schließen(!) ins Wasser tauchte. Es kam, wie es kommen musste, die Strömung riß mir ein Ende der Kette aus der Hand, das Pentagramm schlüpfte herunter und verschwand im Wasserfall. Ich schimpfte mich so ziemlich alles, was mir einfiel und hatte Bammel davor, meinem Mann zu gestehen was passiert war.
Er merkte sofort, als ich bei ihnen unten angekommen war, dass etwas geschehen sein musste. Mehr als kleinlaut erzählte ich von meinem dummen Einfall. Ich merkte, dass er ebenso traurig war über den Verlust wie ich und wenn wunderts, auch ein wenig ärgerlich. Wir machten uns auf den Rückweg, schweren Herzens schloss ich mich an und drehte mich am schmalen Wanderpfad noch einmal um. Ich wollte nicht glauben, dass dieses Schmuckstück, dass mir so viel bedeutet hatte, weg sein sollte. In diesem Moment schickte die Abendsonne einen Lichtstrahl ins wirbelnde Wasser und aus ihm kam ein intensives, kurzes Aufblitzen, als hätte ihn etwas reflektiert. Instiktiv lief ich zurück, watete bis zu der Stelle, bückte mich, griff auf gut Glück in den groben Kies und - hielt mein Pentagramm wieder in der Hand!

Zusatz-Info von wellsgray:
Ich habe es immer noch, es hat inzwischen schon einiges erlebt und scheint tatsächlich geweiht. Seit langen Jahren begleitet es mich durch die unvermeidlichen Wellentäler des Lebens und bringt mir letztlich immer wieder Glück. Mein Mann und ich sind jetzt schon 28 Jahren verheiratet und unsere Liebe hat ebenfalls standgehalten.
Vielleicht auch deshalb, weil ich immer ein Stück von meinem Mann in meinem Pentagramm mit mir trage, das mir zweimal geschenkt wurde.

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